Aus Deutschland ist das Handeln eher weniger bekannt. Grundsätzlich wird der Preis, den der Verkäufer dem Käufer angibt, hingenommen oder das Produkt wird nicht gekauft. In Peru lohnt es sich dagegen immer zu verhandeln. Ob auf dem Markt, bei touristischen Dienstleistungen oder z.B. beim Taxifahren. Die Taxifahrer haben nämlich generell die Angewohnheit ihren Gästen ein bisschen zu viel Geld aus der Tasche ziehen zu wollen. Wenn man allerdings irgendwann lernt Entfernungen und Preise in der Stadt zu schätzen, kann man ganz einfach den Preis um einen Sol senken. Ein bisschen nett lächeln (als Frau geht das immer gut) und dann ein bisschen betteln und beten: "Senor, siempre vamos para tres Soles. No está muy lejitos." (Wir fahren immer für drei Soles. Es ist nicht weit weg.) Wenn dann die Antwort kommt: "Si, está al fondisísimo." (Doch, das ist super weit weg.), kann man immer noch das Argument bringen, dass sich 4 Soles einfach nicht durch drei Personen teilen lassen. Entweder man kann jetzt zufrieden zum gewünschten Preis nach Hause fahren oder man muss sich ein neues Taxi suchen, weil der Fahrer den "Gringozuschlag" nicht vom Preis abziehen wollte. "Gringozuschlag"?
Jetzt kommen wir zu meinem Erlebnis am Samstag: Mit zwei Mitfreiwilligen halte ich ein Taxi an. Der Fahrer verlangt 10 Soles für die angegebene Fahrt von unserem Haus zur Busstation nach La Tortuga. Wir erläutern ihm nach dem oben erklärten Schema, dass wir nur für 9 Soles fahren wollen. Nach kurzem Überlegen willigt er ein. Im Taxi fragt er uns noch einmal genau zu welcher Busstation (eine ist im Zentrum und sehr nah, die andere ist weiterweg). Wir erklären ihm, dass wir zu der an der Stadtgrenze wollen. Er fängt an sich zu beschweren: "Pero está muy lejos hasta allá para 9 Soles."(Bis dorthin ist es sehr weit und das für 9 Soles.) Wir kontern: "Nein, das ist ein normaler Preis. Sie wollen nur von uns mehr verlangen, weil wir Gringos* sind." Ab da verwickelten wir uns mit dem Taxifahrer in ein sehr unterhaltsames Gespräch. Er erklärte uns, dass für ihn die Gringos wohlhabend und reich sind und man ihnen deswegen mehr Geld abverlangen müsste. Wir erklären ihm, dass wir eigentlich keine Gringos sind, weil wir aus Deutschland in Europa kommen. Er schaut uns fragend an und meint: "Was seid ihr dann?". Wir erläutern ihm, dass wir Europäer sind und damit viel netter und sympathischer als die Gringos seinen. Er fasst zusammen: "Also seid ihr Gringos hoch zwei.". Alle im Auto müssen lachen und es beginnt ein nette Unterhaltung über die Fußballweltmeisterschaft, den Verkehr in Deutschland und Peru, das peruanische Essen und unseren Freiwilligendienst. Am Ende der Fahrt bedankt der Fahrer sich bei uns und wir uns bei ihm für die tolle Fahrt.
*Gringo ist der lateinamerikanische Ausdruck für "US-Amerikaner". Zum Teil wurde er als Beleidigung verwendet. Heute bezeichnet er in Peru alle "Weißen" und hat auch keinen negativen Beigeschmack mehr. Trotzdem fühlt es sich für mich nicht so schön an auf offener Straße "Gringa" hinterher gerufen zu bekommen.
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