Montag, 27. April 2015

Frühstück unterm Wellblechdach

Nun ist es auch einmal wieder an der Zeit über Flora zu berichten  Über ihr neues Dach hat sie sich sehr gefreut und es sieht schick aus. Die Hütte wirkt jetzt viel größer, weil das Dach höher ist als das alte. Mit einer Sache ist Flora allerdings noch nicht zufrieden: Der Wind fährt immer unter das Wellblech und habt es an. Die Jungs werden dies noch heute festbinden, sodass Flora bald wieder ruhiger schlafen kann.
In der vergangen Woche erreichte mich allerdings über Matthias eine andere Nachricht: Flora begrüßte ihn mit dem Satz: "Ich werde sterben.". Matthias berichte mir, dass sie Krämpfe hat und sehr schwach ist. Täglich ist immer einer von uns vier Freiwilligen zu ihr gegangen und nahm ihr Wasser und Essen mit. Wir kochten auch Nudelsuppe für sie, sodass sie nicht selbst Mahlzeiten zubereiten muss. Glücklicherweise sah ich am Freitag dann schon wieder eine muntere Flora vor mir stehen. Gemeinsam mit Julia besorgte ich Brot, Marmelade, Spiegelei und Käse um mit Flora zu frühstücken. Sie wusch gerade ihr Töpfe ab und freute sich sehr über unseren Besuch. Erzählt hat sie auch viel, leider verstanden wir wegen dem Lärm vom Wellblech wenig, dennoch genug. Sie sprach über ihr Kindheit. Zeitig sind sie und ihre Geschwister Weisen geworden. Ihren Vater lernte sie nie kennen. Jetzt ist nur noch sie von der Familie übrig geblieben. Dann betonte sie immer wieder: "Kinder müssen auch ihre Eltern achten und sie pflegen, so wie diese es früher für die Kinder taten.". Dann nannte sie uns wie immer: "Madres lindas y hermosas" - "Niedliche und hübsche Mütter" und sprach uns ihren Segen aus. Der Einkaufszettel für den nächsten Besuch lautet: Waschwanne, Eimer, Hühnerfutter und Früchte.
Also bis zum nächsten Mal Flora!
Floras neues Dach

Montag, 20. April 2015

Schön, dass es dich gibt CANAT!


In der letzten  Zeit ist mir immer wieder bewusst geworden wie wichtig und toll die Arbeit von CANAT ist und wie schön es ist Teil von ihr zu sein.

Bezogen auf Manitos Trabajando las ich neulich einen Artikel in der lokalen Zeitung „El Tiempo“, der besagte,  dass Piura den höchsten Anteil der arbeitenden Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren in ganz Peru besitzt. In der Region Piura müssen drei von zehn Kindern und Jugendlichen arbeiten um die finanzielle Situation der Familie zu unterstützen. Im Artikel wurde ebenfalls angesprochen, dass der Anteil in der Stadt Piura höher ist als in den ländlichen Regionen im Umkreis. In der Stadt arbeiten die Kinder und Jugendlichen überwiegend als Mototaxistas (Fahrer von Mototaxis), sie helfen auf dem Markt bei ihren Eltern am Stand oder sie schieben Schubkarren über den Markt. Auf dem Land besteht Kinderarbeit vor allem aus der Hilfe bei der Feldarbeit oder beim illegalen Bergbau. Bei den Berufen fällt auf, dass es sich überwiegend um gefährliche oder körperlich schwere Arbeiten handelt. Die Regionalregierung rief nun ein Programm ins Leben um diesen drastischen Anteil an Kinderarbeit zu senken. Man will Eltern, lokale Autoritäten und die Öffentlichkeit auf diese Problematik verstärkt hinweisen und über die Auswirkungen, wie z.B. Schulabbruch informieren. Außerdem will man Kontrollen in den Unternehmen der Region durchführen und Bestrafungen für die Beschäftigung von Minderjährigen einführen. Ein Problem, welches ich dabei sehe: Viele Kinder und Jugendliche sind keine Angestellten, sondern arbeiten „für“ ihre Familien (auf dem Markt/Feld) oder selbstständig (Mototaxistas, Schubkarrenschieber). So wird meiner Meinung nach mit dieser Kampagne wenig erreicht werden. In Manitos Trabajando kümmern wir uns genau um diese Kinder und Jugendlichen. Wir zeigen ihnen neue Perspektiven mit Sport, Musik und Kunst und bemühen uns darum, dass sie regelmäßig zur Schule gehen und sorgen uns um ihre Gesundheit. Die Arbeit von Manitos Trabajando ist Gold wert im Kampf für regelmäßiges Besuchen der Schule und für die Entwicklung der Kinder. Wir kämpfen nicht direkt gegen die Kinderarbeit, aber versuchen den Kindern und Eltern die Augen für andere Möglichkeiten und Wege zu öffnen.  Leider weiß ich auch, dass die rund 80 Kinder und Jugendlichen, die vom Programm aufgenommen wurden, längst nicht alle arbeitenden Kinder und Jugendlichen aus Piura sind.

Genau dieser Gedanke kommt mir auch immer wieder in den Sinn, wenn ich aus Monica Zapata nach Hause fahre. In der Ludoteca dort sind 120 Kinder eingeschrieben, die aus Monica Zapata und Los Angeles kommen. Mit dieser Anzahl an Kindern ist die Ludoteca völlig ausgelastet. Unser Taxi fährt allerdings bestimmt eine Viertelstunde durch ähnliche sozial schwach Viertel, in denen die Kinder auch eine Ludoteca bräuchten.

In der Region Piura werden also eigentlich viel mehr soziale Projekte wie CANAT benötigt und CANAT könnte sich sicherlich noch vergrößern. Schlussendlich ist es allerdings immer das Geld, das fehlt. Denn auch für CANAT ist es jedes Jahr ein Kampf alle Gelder einzutreiben, die das Jahr über benötigt werden.

 

Sonntag, 12. April 2015

Bilder zur Reise



Der Gocta Wasserfall
 
 
Die Ruinen von Kuelap

Chachapoyas


Wasser: Segen oder Fluch?


Mein Osterwochende war sehr eng mit dem Lebenselexier verbunden: Regenfälle, Wasserfälle, schlammige Flüsse, Erdrutsche und grüne Wiesen und Bäume. Bei meiner Reise nach Chachapoyas im Departamento Amazonas erlebte ich so einige Abenteuer. Die Reise war allerdings trotzdem sehr lohnenswert.

Alles begann in der Woche vor Ostern. In dieser Woche regnete es über Nacht und auch tagsüber oft sehr stark in Piura, sodass Straße unter Wasser standen und nicht mehr ohne Gummistiefel passierbar waren, der Fluss Piura auf ungewohnte Breite, Höhe und Schnelligkeit anstieg, die Ludoteca unter Wasser stand und ich mit schlammigen Beinen auf Arbeit ankam nach meinem 30minütigen Fußmarsch. In der Stadt waren die Regenfälle kurz gesagt sehr ekelhaft und störend, denn es dauerte auch seine Zeit bis die Schlammbrühe wieder weg war.

Vor meiner Reise nach Chachapoyas wurde mir oft davon abgeraten und ein bisschen Angst eingeflößt. Denn wenn es in der Wüste Piuras schon regnet, regnet es in den Bergen noch mehr und dann sind die Straßen von Erdrutschen verschüttet und Brücken überflutet. Jedenfalls beschloss ich mit meiner Mitfreiwilligen Julia dennoch die Reise anzutreten. Das an dem Bus „Rapidos y Furiosos“ (Fasters and Furious) stand, beruhigte mich nicht unbedingt. Weil die Reise um 2 Uhr nachmittags begann, hatte ich genug Zeit unsere Route bis zum Sonnenuntergang zu verfolgen. Bei der Fahrt durch die eigentliche Halbwüste der Region Piuras überraschten saftig grüne Bäume und sprießende Wiese überall. Wahnsinn wie durch so ein bisschen Regen (mit deutschen Verhältnissen verglichen) aus einem „Bosque seco“ (Trockenwald) eine grüngetünchte Landschaft wird, in der plötzlich auch Landwirtschaft betrieben wird und die Tiere nicht mehr so abgemagert aussehen. Dann begann die Andenlandschaft Serpentine um Serpentine quälte sich der Bus durch die nebelverhangene Andenlandschaft. Die eigentlich asphaltierte und ausgebaute Straße glich bald einer Baustellenausfahrt, da überall Geröll und Schlamm vom Berg auf der Straße lag. Wir fuhren über eine Brücke, die laut den Erzählungen der Sitznachbarn bis vor kurzem noch überflutet war. Und dann irgendwann um 1 Uhr morgens kamen wir endlich in Pedro Ruiz an. In Pedro Ruiz? Warum nicht in Chachapoyas? Die Hauptstadt des Departamento Amazonas ist nicht an die Durchgangsstraße von Paita (Küstenstadt) bis Tarapoto (Regenwaldstadt) angebunden. Von Pedro Ruiz aus muss man dann noch eine ¾ Stunde mit dem Combi fahren. Bis zum Bau der Straße durch Pedro Ruiz war Chachapoyas noch die Verbindung zwischen Regenwald und Küste und deswegen ist die nun abgeschiedene Stadt mit ihren 30.000 Einwohnern recht groß. Trotzdem gibt es keinen Supermarkt und keine Einkaufszentrum, dafür eine niedliche, hübsche Fußgängerzone mit Lädchen und Cafés. Die Stadt ist für ihre weißen Kolonialbauten bekannt und pflegt sie auch gut. Denn neben den Einnahmen aus der Landwirtschaft ist mittlerweile auch der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle der Region. Zu besichtigen sind sowohl Ruinen aus der Zeit der Chachapoya als auch beeindruckende Wasserfälle und Natur.

Julia und ich besichtigten an den zwei Tagen leider nur die Ruine Kuelap und den Goctawasserfall, die zwei bekanntesten Attraktionen.  Kuelap ist eine große Stadt der Chachapoya, die bis heute weitestgehend der Natur überlassen ist.  Zwischen den Ruinen der Häuser stehen Bäume auf denen Orchideen und Bromelien gedeihen. Der Goctawasserfall war bis 2010 eigentlich nur bei den Einheimischen bekannt. Ein  Deutscher vermaß ihn in diesem Jahr und stellte fest, dass er mit seinen 771 Metern (auf zwei Fälle verteilt), der dritt größte Wasserfall der Welt ist.  

Gesund und munter kamen wir am Montagmorgen wieder in Piura an. Ob Wasser jetzt ein Segen oder ein Fluch ist kann ich leider nicht beantworten. Ich hoffe nur, dass es in Piura Stadt nicht wieder so ergiebig regnet.