Sonntag, 12. April 2015

Wasser: Segen oder Fluch?


Mein Osterwochende war sehr eng mit dem Lebenselexier verbunden: Regenfälle, Wasserfälle, schlammige Flüsse, Erdrutsche und grüne Wiesen und Bäume. Bei meiner Reise nach Chachapoyas im Departamento Amazonas erlebte ich so einige Abenteuer. Die Reise war allerdings trotzdem sehr lohnenswert.

Alles begann in der Woche vor Ostern. In dieser Woche regnete es über Nacht und auch tagsüber oft sehr stark in Piura, sodass Straße unter Wasser standen und nicht mehr ohne Gummistiefel passierbar waren, der Fluss Piura auf ungewohnte Breite, Höhe und Schnelligkeit anstieg, die Ludoteca unter Wasser stand und ich mit schlammigen Beinen auf Arbeit ankam nach meinem 30minütigen Fußmarsch. In der Stadt waren die Regenfälle kurz gesagt sehr ekelhaft und störend, denn es dauerte auch seine Zeit bis die Schlammbrühe wieder weg war.

Vor meiner Reise nach Chachapoyas wurde mir oft davon abgeraten und ein bisschen Angst eingeflößt. Denn wenn es in der Wüste Piuras schon regnet, regnet es in den Bergen noch mehr und dann sind die Straßen von Erdrutschen verschüttet und Brücken überflutet. Jedenfalls beschloss ich mit meiner Mitfreiwilligen Julia dennoch die Reise anzutreten. Das an dem Bus „Rapidos y Furiosos“ (Fasters and Furious) stand, beruhigte mich nicht unbedingt. Weil die Reise um 2 Uhr nachmittags begann, hatte ich genug Zeit unsere Route bis zum Sonnenuntergang zu verfolgen. Bei der Fahrt durch die eigentliche Halbwüste der Region Piuras überraschten saftig grüne Bäume und sprießende Wiese überall. Wahnsinn wie durch so ein bisschen Regen (mit deutschen Verhältnissen verglichen) aus einem „Bosque seco“ (Trockenwald) eine grüngetünchte Landschaft wird, in der plötzlich auch Landwirtschaft betrieben wird und die Tiere nicht mehr so abgemagert aussehen. Dann begann die Andenlandschaft Serpentine um Serpentine quälte sich der Bus durch die nebelverhangene Andenlandschaft. Die eigentlich asphaltierte und ausgebaute Straße glich bald einer Baustellenausfahrt, da überall Geröll und Schlamm vom Berg auf der Straße lag. Wir fuhren über eine Brücke, die laut den Erzählungen der Sitznachbarn bis vor kurzem noch überflutet war. Und dann irgendwann um 1 Uhr morgens kamen wir endlich in Pedro Ruiz an. In Pedro Ruiz? Warum nicht in Chachapoyas? Die Hauptstadt des Departamento Amazonas ist nicht an die Durchgangsstraße von Paita (Küstenstadt) bis Tarapoto (Regenwaldstadt) angebunden. Von Pedro Ruiz aus muss man dann noch eine ¾ Stunde mit dem Combi fahren. Bis zum Bau der Straße durch Pedro Ruiz war Chachapoyas noch die Verbindung zwischen Regenwald und Küste und deswegen ist die nun abgeschiedene Stadt mit ihren 30.000 Einwohnern recht groß. Trotzdem gibt es keinen Supermarkt und keine Einkaufszentrum, dafür eine niedliche, hübsche Fußgängerzone mit Lädchen und Cafés. Die Stadt ist für ihre weißen Kolonialbauten bekannt und pflegt sie auch gut. Denn neben den Einnahmen aus der Landwirtschaft ist mittlerweile auch der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle der Region. Zu besichtigen sind sowohl Ruinen aus der Zeit der Chachapoya als auch beeindruckende Wasserfälle und Natur.

Julia und ich besichtigten an den zwei Tagen leider nur die Ruine Kuelap und den Goctawasserfall, die zwei bekanntesten Attraktionen.  Kuelap ist eine große Stadt der Chachapoya, die bis heute weitestgehend der Natur überlassen ist.  Zwischen den Ruinen der Häuser stehen Bäume auf denen Orchideen und Bromelien gedeihen. Der Goctawasserfall war bis 2010 eigentlich nur bei den Einheimischen bekannt. Ein  Deutscher vermaß ihn in diesem Jahr und stellte fest, dass er mit seinen 771 Metern (auf zwei Fälle verteilt), der dritt größte Wasserfall der Welt ist.  

Gesund und munter kamen wir am Montagmorgen wieder in Piura an. Ob Wasser jetzt ein Segen oder ein Fluch ist kann ich leider nicht beantworten. Ich hoffe nur, dass es in Piura Stadt nicht wieder so ergiebig regnet.

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