Mein Osterwochende war sehr eng mit dem Lebenselexier
verbunden: Regenfälle, Wasserfälle, schlammige Flüsse, Erdrutsche und grüne Wiesen
und Bäume. Bei meiner Reise nach Chachapoyas im Departamento Amazonas erlebte
ich so einige Abenteuer. Die Reise war allerdings trotzdem sehr lohnenswert.
Alles begann in der Woche vor Ostern. In dieser Woche
regnete es über Nacht und auch tagsüber oft sehr stark in Piura, sodass Straße
unter Wasser standen und nicht mehr ohne Gummistiefel passierbar waren, der
Fluss Piura auf ungewohnte Breite, Höhe und Schnelligkeit anstieg, die Ludoteca
unter Wasser stand und ich mit schlammigen Beinen auf Arbeit ankam nach meinem
30minütigen Fußmarsch. In der Stadt waren die Regenfälle kurz gesagt sehr
ekelhaft und störend, denn es dauerte auch seine Zeit bis die Schlammbrühe
wieder weg war.
Vor meiner Reise nach Chachapoyas wurde mir oft davon
abgeraten und ein bisschen Angst eingeflößt. Denn wenn es in der Wüste Piuras
schon regnet, regnet es in den Bergen noch mehr und dann sind die Straßen von
Erdrutschen verschüttet und Brücken überflutet. Jedenfalls beschloss ich mit
meiner Mitfreiwilligen Julia dennoch die Reise anzutreten. Das an dem Bus „Rapidos
y Furiosos“ (Fasters and Furious) stand, beruhigte mich nicht unbedingt. Weil
die Reise um 2 Uhr nachmittags begann, hatte ich genug Zeit unsere Route bis
zum Sonnenuntergang zu verfolgen. Bei der Fahrt durch die eigentliche Halbwüste
der Region Piuras überraschten saftig grüne Bäume und sprießende Wiese überall.
Wahnsinn wie durch so ein bisschen Regen (mit deutschen Verhältnissen
verglichen) aus einem „Bosque seco“ (Trockenwald) eine grüngetünchte Landschaft
wird, in der plötzlich auch Landwirtschaft betrieben wird und die Tiere nicht
mehr so abgemagert aussehen. Dann begann die Andenlandschaft Serpentine um
Serpentine quälte sich der Bus durch die nebelverhangene Andenlandschaft. Die
eigentlich asphaltierte und ausgebaute Straße glich bald einer
Baustellenausfahrt, da überall Geröll und Schlamm vom Berg auf der Straße lag.
Wir fuhren über eine Brücke, die laut den Erzählungen der Sitznachbarn bis vor
kurzem noch überflutet war. Und dann irgendwann um 1 Uhr morgens kamen wir
endlich in Pedro Ruiz an. In Pedro Ruiz? Warum nicht in Chachapoyas? Die
Hauptstadt des Departamento Amazonas ist nicht an die Durchgangsstraße von
Paita (Küstenstadt) bis Tarapoto (Regenwaldstadt) angebunden. Von Pedro Ruiz
aus muss man dann noch eine ¾ Stunde mit dem Combi fahren. Bis zum Bau der
Straße durch Pedro Ruiz war Chachapoyas noch die Verbindung zwischen Regenwald
und Küste und deswegen ist die nun abgeschiedene Stadt mit ihren 30.000 Einwohnern
recht groß. Trotzdem gibt es keinen Supermarkt und keine Einkaufszentrum, dafür
eine niedliche, hübsche Fußgängerzone mit Lädchen und Cafés. Die Stadt ist für
ihre weißen Kolonialbauten bekannt und pflegt sie auch gut. Denn neben den
Einnahmen aus der Landwirtschaft ist mittlerweile auch der Tourismus eine
wichtige Einnahmequelle der Region. Zu besichtigen sind sowohl Ruinen aus der
Zeit der Chachapoya als auch beeindruckende Wasserfälle und Natur.
Julia und ich besichtigten an den zwei Tagen leider nur die
Ruine Kuelap und den Goctawasserfall, die zwei bekanntesten Attraktionen. Kuelap ist eine große Stadt der Chachapoya,
die bis heute weitestgehend der Natur überlassen ist. Zwischen den Ruinen der Häuser stehen Bäume
auf denen Orchideen und Bromelien gedeihen. Der Goctawasserfall war bis 2010
eigentlich nur bei den Einheimischen bekannt. Ein Deutscher vermaß ihn in diesem Jahr und
stellte fest, dass er mit seinen 771 Metern (auf zwei Fälle verteilt), der
dritt größte Wasserfall der Welt ist.
Gesund und munter kamen wir am Montagmorgen wieder in Piura
an. Ob Wasser jetzt ein Segen oder ein Fluch ist kann ich leider nicht
beantworten. Ich hoffe nur, dass es in Piura Stadt nicht wieder so ergiebig
regnet.
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