Ein Jahr im Norden Perus mit dem Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Weltwärts
Sonntag, 21. Juni 2015
La Selva
Nach einer erlebnisreichen Woche im Dschungel melde ich mich nun wieder gesund und munter aus Piura zurück. An Natürlichkeit und Einfachheit hat es dieser Woche wirklich nicht gefehlt. Mit einer Freundin trat ich die aufregende Reise mit dem Bus, dem Taxi und schließlich mit dem Boot bis nach Lagunas an. Lagunas hatte ich mir eigentlich noch kleiner und dörflicher vorgestellt, als es eigentlich ist. Als wir geschafft von der Reise nachts um 2 Uhr mit dem Mototaxi durch die Straßen fuhren, war alles stockdunkel, da von 12 Uhr bis 4 Uhr morgens der Strom abgestellt wird. Erst fuhren wir auf einer neu gebauten asphaltierten Straße bis zum Plaza de Armas und dann weiter auf einem schlammigen Feldweg bis zu unserer Unterkunft für die bereits fortgeschrittene Nacht. Zum Glück hatten wir die Unterkunft und das Moto schon vorher organisiert. Eigentlich ist es falsch an dieser Stelle "wir" zu sagen, denn es war die Familie bei der wir die Tour gebucht hatten, die sich um alles liebevoll gekümmert hat. Mutter und Tochter organisieren und koordinieren alles und zwei der Söhne sind mit Angestellten die Touristenführer. Im Haus der Familie kamen wir also für eine Nacht vor und eine Nacht nach den drei Tourtagen im Regenwald unter. Das Haus sollte ich eher als Holzhütte mit Wellblechdach bezeichnen. Die Zimmer waren ebenfalls nur durch Holzbretter und einen Stoffvorhang als Tür abgetrennt. Die Toilette war eine Konstruktion als Plastikplanen und Plumpsklo hinter dem Haus. In der Küche wurde der Herd mit Holz geheizt. Die Art und Weise wie uns die Mutter früh um zwei empfing, sich mit uns vor der Tour und am letzten Tag unterhielt war äußerst herzlich. Sie erzählte auf angenehme und nicht aufdringliche Weise aus ihrem Leben. Sie ist Tochter von einem kolumbianischen Drogenhändler und hat nie alle ihre vermutlich 80 Geschwister und ihren Vater kennengelernt. Ihr Mann war mit Leib und Seele Guide im Nationalpark und brachte seinen Söhnen alle seine Kenntnisse bei. Vor 10 Jahren starb er bei einen Übergriff von Wilderen, die Schildkröteneier stehlen wollten. Seitdem ist allein für ihre acht Kinder verantwortlich, die zum Glück schon alle über 20 Jahre alt sind. So kann sie sich jetzt mit den geringen Einnahmen aus dem Tourismus über Wasser halten. Für ihren Service (Unterkunft, Essen, Begleitung zum Hafen und frisch gemahlenen Kakao) verlangt sie den Touristen fast nichts ab. Als wir durch das 9.000 Seelen Dorf Lagunas spazieren, bezeichnet sie eine andere Unterkunft für 35 Soles pro Nacht als Luxus (10 Euro sind auch in Peru eigentlich nicht die höchsten Hotelpreise). So wie sie es gesagt hat kommt es ihr bei den Touristen weniger auf die Einnahmen an, sondern auch auf die Abwechslung von ihrem normalen Hausfrauenleben. Dennoch lässt sie sich auch nicht um das ihr zustehende Geld betrügen. In der Stadt Yurimaguas, in der alle Boote nach Lagunas abfahren, vermittelt ein Mann Touristen ihr Unternehmen. Die Touristen bezahlen dann bei ihm die ganze Tour. Letztendlich sendet der Mann allerdings nur einen Bruchteil von dem vereinbarten Geld nach Lagunas. Sodass Mutter und Tochter jetzt selbst angefangen haben Werbung zu verteilen. Wer also vorhat in den Regenwald zu fahren, sollte von Yurimaguas aus die Familie anrufen und sich dann auf einen unvergesslichen Aufenthalt in der Selva freuen. Am Besten lässt sich der Regenwald von Juli bis November erkunden.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen