Donnerstag, 27. November 2014

Leise rieselt der Wüstenstaub

Auch in Piura wird langsam Weihnachten. Das Einkaufszentrum ist festlich mit Girlanden, Lichtern und einem Plasteweihnachtsbaum geschmückt. Beim Einkaufen macht mich die Weihnachtsmusik mit dem Geklingel der Glocken fast verrückt. Überall werden inzwischen "Panetons", hohe runde Milchbrötchen mit getrockneten Früchtestückchen im Inneren, verkauft. Weihnachtsschmuck kann auch erworben werden, in allen Formen und Farben, am besten allerdings bunt und glitzernd.

So sollte nun auch ich helfen das Klassenzimmer von Carolas Klasse weihnachtlich zu stimmen. Zu erst also alle Fotos von den Kindern entfernen. Dann Plakate mit einer Darstellung von Jesus Geburt in Form einer Krippe, drei rosafarbenen Engeln und einem überladenem Weihnachtsbaum ankleben. Heute aus Goldfolie jeden Buchstaben von "Feliz Navidad" ausschneiden. Außerdem werde ich dann noch Glocken, Sterne und Sternschnuppen aus dieser Folie basteln und diese in die Zwischenräume der Plakate kleben. Desweitern soll der bunte Weihnachtsbaum zusätzlich noch mit Glitzer und Gold verziert werden. Et voila, damit wäre dann der perfekte peruanische Weihnachtsschmuck vollbracht. Die Kinder haben sich heute schon gefreut.

Meine Freude dabei war die gestrige Unterhaltung mit Milton neben der Dekorationsarbeit. Er wurde zu mir geschickt, weil er während des Empfangs für einen Jesuiten Nasenbluten bekommen hatte. An und für sich ging es ihm schon wieder blendend als er zu mir kam, trotzdem gab ich ihm Watte mit Alkohol genässt. (Darauf stehen die Kinder hier total. Es soll angeblich das Blut schneller gerinnen lassen.). Milton gehört auch zu den Kindern der Nachhilfeklasse. Er kommt allerdings sehr unregelmäßig. Carola hat mir einmal erzählt, dass ihm Manitos Trabajando keinen Spaß bereitet. In der Nachhilfeklasse erlebe ich ihn oft als Unruhestifter, der einen gern auf den Arm nimmt und keinerlei Respekt zeigt. In der Pause habe ich ihn aber auch schon ruhig, schüchtern und fast ein bisschen ängstlich erlebt. Oftmals antwortet er mir nicht, wenn ich mit ihm spreche. Doch gestern dann die Überraschung: Ich fragte ihn über seine Lieblingsfächer aus. Er sagte mir eigentlich gefalle ihm alles und Schule im Allgemeinen sei auch nicht so schlecht. Ich fragte, ob ihm Weihnachten gefalle und wie er es mit seiner Familie feiert. Er freut sich schon sehr auf Weihnachten und jedes Jahr kaufen sie einen "Paneton" und bereiten dazu eine Soße. Schlussendlich fragte ich ihn dann noch über seine Verbesserungsvorschläge für Manitos Trabajando aus. Und er erwähnte, dass er gern mehr Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen würde. Er offenbarte mir, dass er heute auch welche hätte. Doch als ich zu gegebener Zeit bat sein Heft mit den Aufgaben herauszuholen, antwortete er mir schüchtern, dass er es in der Schule vergessen hätte. Wie Schade!

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